Ist mein Kind hochsensibel?

Sie wirken auf den ersten Blick zurückhaltend, vorsichtig, ängstlich und kontaktscheu. Die Rede ist von hochsensiblen Kindern. Kinder, die in ihrem Umfeld oft als Mimose, Heulsuse oder Sensibelchen abgestempelt werden und deren Potenziale nicht selten übersehen werden. Ihre Stärken treten häufig erst bei näherem Kennenlernen zum Vorschein. Dann wird ersichtlich, wie einfühlsam sie sind, wie gut sie beobachten können, wie bedacht sie handeln und wie verlässlich sie sind.

Ein Beispiel

Lena ist eines dieser Mädchen. Im Kindergarten hat sie sich nach längerer Eingewöhnungsphase gut integriert. Die Loslösung von der Mutter fiel ihr sehr schwer. In den ersten Monaten stand sie meist unsicher, beobachtend und scheinbar teilnahmslos im Raum, ohne sich Spielpartner zu suchen. Erst mit der Zeit fasste Lena Vertrauen, gesellte sich zu anderen, meist ruhigen, Kindern und ging den lauten, forschen und fordernden Kindern aus dem Weg. Seit klar ist, dass sie bald in die Schule kommt, klagt sie über Einschlafschwierigkeiten. Der neue Lebensabschnitt bereitet dem Mädchen großes Kopfzerbrechen, Ängste tauchen auf. Auch im Alltag beschreibt Lenas Mutter ihre Tochter als unsicher in unbekannten Situationen, spricht von extrem starkem Rückzugsverhalten des Kindes, sobald Stress und Hektik aufkommen. Über viele Kleinigkeiten zerbreche sich ihre Tochter den Kopf. Bezüglich der Einschulung hat die Mutter inzwischen Sorge. Wird ihre Tochter die Umstellung schaffen? Wie wird sie mit Mitschülern, mit Lehrern und den schulischen Anforderungen zurechtkommen?

Hochsensible Kinder sind besondere Kinder mit vielen Talenten; sie können das Leben sehr bereichern. Das Wissen um ihre Wesenszüge kann Ihnen als Eltern helfen, mit irritierenden Verhaltensweisen und offenen Fragen umzugehen, denn mit der richtigen Unterstützung können Potenziale zur Entfaltung kommen. Der folgende Fragebogen kann Ihnen helfen, zu einer ersten Einschätzung zu kommen.

Fragebogen: Ist mein Kind hochsensibel?

Mein Kind …

  • erschrickt leicht.
  • hat eine empfindliche Haut, verträgt keine kratzenden
    Stoffe, keine Nähte in Socken oder Etiketten in T-Shirts.
  • mag keine Überraschungen.
  • profitiert beim Lernen eher von sanfter Belehrung als
    harter Strafe.
  • scheint meine Gedanken lesen zu können.
  • hat einen für sein Alter ungewöhnlich gehobenen Wortschatz.
  • ist geruchsempfindlich, sogar bei sehr schwachen Gerüchen.
  • hat einen klugen Sinn für Humor.
  • scheint sehr einfühlsam zu sein.
  • kann nach einem aufregenden Tag schlecht einschlafen.
  • kommt schlecht mit großen Veränderungen klar.
  • findet nasse oder schmutzige Kleidung unangenehm.
  • stellt viele Fragen.
  • ist ein Perfektionist.
  • bemerkt, wenn andere unglücklich sind.
  • bevorzugt leise Spiele.
  • stellt tiefgründige Fragen, die nachdenklich stimmen.
  • ist sehr schmerzempfindlich.
  • ist lärmempfindlich.
  • registriert Details (Veränderungen in der Einrichtung
  • oder im Erscheinungsbild eines Menschen etc.).
  • denkt über mögliche Gefahren nach, bevor es ein Risiko
  • eingeht.
  • erzielt die beste Leistung, wenn keine Fremden dabei
  • sind.
  • hat ein intensives Gefühlsleben.

Hinweise zur Auswertung: Wenn Sie mindestens 13 Aussagen bejahen können, ist Ihr Kind wahrscheinlich hochsensibel. Allerdings ist der Fragebogen kein exaktes Messinstrument. Verstehen Sie die Aussagen als Beschreibung eines Temperaments, dem es wert ist, auf die Spur zu kommen!


 

Melanie S. Vita, Jahrgang 1975, ist selbstständige Diplomsozialpädagogin, Lerntherapeutin und selbst hochsensibel. In ihrer Praxis „Hochsensibel leben“ berät sie seit vielen Jahren hochsensible Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Eltern. Mit ihrer Familie lebt sie in Ulm.

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Allgemeinpädagogische Ratschläge reichen bei hochsensiblen Kindern nicht aus. In meinem Buch Hochsensibilität bei Kindern lernen Sie die Besonderheiten von hochsensiblen Kindern kennen. Sie finden wichtige Tipps, die aus meiner lerntherapeutischen Begleitung von hochsensiblen Kindern entstanden sind. Ziel ist es, Ihr Kind mit seinen Reaktionen zu verstehen und passende Lösungen für Probleme zu finden.

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