Die Engel und wir

Engel faszinieren uns Menschen seit jeher. In der Bibel sind uns verschiedene Begegnungen mit den himmlischen Boten überliefert. Situationen, in denen ein himmlischer Impuls eine Zeit der Krise, Krankheit, Neuorientierung, des Wartens und Vertrauens verändert. In seinem neuen Buch „Behütet und beflügelt“ hat sich Clemens Bittlinger diese Geschichten genauer angesehen. Sein Fazit: Auch heute lassen sich himmlische Botschaften spürbar in unserem Leben finden, sagt er, man müsse sie nur entdecken. Im Interview gibt er erste Einblicke, wie Engel ihn behüten und beflügeln.

Corona-Pandemie, Klimakrise, Flüchtlingsströme sind die Themen unserer Tage. Manch einer mag denken: Warum da ein Buch und eine CD über Engel? Ist das nicht ein wenig weltfremd?
Das ist es ja gerade: Engel sind eben nicht weltfremd, sondern mitten in der Welt. Wenn wir zu jemandem sagen: „Du kommst wie gerufen!“ oder „Dich schickt der Himmel“, dann verwenden wir im Grunde unbewusst eine alte Engelsbegrüßung. Gerade die Coronakrise lässt uns doch inne- und Ausschau halten nach Boten, die uns beflügeln und befähigen, diese Welt neu zu denken und die Zukunft dieser Welt neu zu planen und zu gestalten. Diese aktuellen Themen kommen auch in den Texten und Liedern vor.

Clemens Bittlinger

Mit einem Engel verbinden wir Menschen vor allem Schutz und Begleitung. Was verbindest du mit einem Engel?
Das, was die Bibel mit „Engeln“ beschreibt, sind ja ausdrucksstarke Bilder für die klaren Botschaften Gottes in dieser Welt. Und die gibt es auch heute noch: himmlische Impulse, die uns helfen können, verantwortlich und achtsam zu leben. Dabei entdecke ich weniger den Schutzengel als vielmehr den „Schubsengel“ – ich werde angeschubst und begeistert für eine Idee, für eine Aktion. Manchmal mischt sich das aber auch – beispielsweise bei der „Revolution der Kerzen“, im Jahr 1989 rund um die Nikolaikirche in Leipzig.  Jemand hat darüber einmal gesagt: „Es war, als hätten Engel die 70.000 Menschen, die da gewaltfrei durch Leipzig zogen, begleitet.“ Und für viele, auch mich, war der damalige Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer, ein echter „Schubsengel“. Seine Botschaft lautete: „Die friedfertige Botschaft von der Liebe Gottes muss vom Altar auf die Straße wirken!“

In deinem Buch „Behütet und beflügelt“ beschreibst du, was die Bibel uns über Engel verrät. Welche der Geschichten berührt dich am meisten?
Die Erzählung von Jakobs Traum von der Himmelsleiter, auf der Engel auf- und abstiegen. Ich habe dieses Bild als einen starken Energiefluss verstanden: Die Engel trugen Jakobs negative Energie, seine Wut, seine Angst und seine Schuld hinauf in eine andere Dimension und die Engel, die herabkamen, tauschten die negative Energie aus gegen Segen, gegen positive Energie. So etwas lässt sich auch heute noch erleben, wenn Menschen es wagen und schaffen, sich miteinander und mit sich selbst zu versöhnen.

Mehrfach beziehst du dich im Buch auf die Coronakrise und auf Menschen, die für andere zu Engeln wurden bzw. immer noch werden. Du selbst warst im Frühjahr 2020 mitten im Lockdown auf einem Kreuzfahrtschiff im australischen Sydney. Wie hast du diese Situation erlebt?  
In den vergangenen Jahren wurde ich immer wieder von der Evangelischen Kirche (EKD) beauftragt, als Bordseelsorger die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs zu begleiten. So auch im März 2020. Wir (meine Familie und ich) sind auf dem Schiff mitten in den weltweiten Lockdown geraten. Die Reise nahm einen anderen Verlauf als gedacht: Wir sollten von Sydney aus nonstop, in 28 Tagen, direkt nach Bremerhaven fahren. Doch dann stellte sich heraus, dass wir sieben Covid-19 Fälle an Bord hatten. Damit war die Reise beendet. Am 29. März wurden wir mit vier Condor Maschinen von Fremantle (Australien) über Pukhet (Thailand) nach Frankfurt evakuiert. Die Mitglieder der Crews hatten sich alle freiwillig gemeldet, das waren für uns „Engel“.

Als Bordseelsorger war ich ja auch für die Crew, meist katholische Philippinos zuständig, deren Vertreterin hieß Maria und sie war die rechte Hand des legendären Kapitäns Morton Hansen. Die Art und Weise wie Maria auch bei der Messe, die ich für die Crew gelesen habe, Ruhe, Gelassenheit und Freundlichkeit, unter der sehr verängstigten Besatzung verbreitete, hatte für mich etwas Engelhaftes. Als wir dann in Frankfurt gelandet sind, haben sich noch ein paar Situationen mit Menschen ereignet, wo ich nur dachte: Dich schickt der Himmel! Davon aber mehr im Buch …

Eine Frage zum Schluss: Engel gelten als Botschafter des Himmels. Was denkst du, könnte eine Botschaft des Himmels an uns in diesen Tagen sein?
Nutzt diese Zeit, umzukehren und die Zukunft dieser Welt neu und nachhaltig zu gestalten!


 

Ein Buch, das deutlich macht: Engel sind mitten unter uns. Damals wie heute. Sie schützen uns, schenken uns Hoffnung und schubsen uns an.

„Engel sind stets unterwegs.
Mit und zu uns Menschen.“

 ﹣ Clemens Bittlinger

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